Aufzeichnung des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts über seine Unterredung mit dem Schwedischen Gesandten am 9. Oktober 1939

St. S. Nr. 795 Berlin, den 9. Oktober 1939.

Der S c h w e d i s c h e  Gesandte suchte mich heute auf, um mir zu sagen, es werde in der Ostsee eine sehr ernste Lage entstehen, wenn Rußland gegen Finnland Forderungen vorbringen sollte, welche die Unabhängigkeit und Selbständigkeit Finnlands bedrohen. Unter Hinweis auf die engen Beziehungen Schwedens mit Finnland wolle der Gesandte mir vorstehendes mitteilen. Man dürfe nicht vergessen, daß im Gegensatz zu Estland und Lettland starke und männliche Kräfte in Finnland herrschten, die sich einer russischen Vergewaltigung nicht beugen würden.
Ich habe dem Gesandten erwidert, mir sei über die vermutlichen russischen Forderungen an Finnland nichts bekannt. Meines Wissens sei bei dem Besuch des Herrn Reichsaußenministers in Moskau das Wort Finnland nicht gefallen. Es stehe so, daß wir östlich der bekannten Linie keine Interessen angemeldet hätten. Ich möchte aber annehmen, daß Rußland keine allzu tiefgreifenden Wünsche gegenüber Finnland vorbringe und daß daher eine friedliche Regelung zu finden sei.

(gez.) Weizsäcker


Quelle: Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion 1939-1941. Dokumente des Auswärtigen Amtes. 110. H. Laupp'sche Buchhandlung, Tübingen, 1949.

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