Drahterlaß des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts an die deutschen
Missionen vom 2. Dezember 1939

Abschrift.
Berlin, den 2. Dezember 1939
e.o.Pol. VI 2651

An alle mit Blaukreuz bezeichneten Missionen
St.S.
U.St.S. Pol.
Dg. Pol. n. Abg.
Telegramm i. Z. (Geh. Ch. Verf.)
 

Bitte bei Gesprächen über finnisch-russischen Konflikt jede antirussische Nuance zu vermeiden.
Je nach Gesprächspartner sind folgende Argumente verwertbar: Unvermeidlicher historischer Ablauf im Zuge der Revision der Verträge nach letztem großem Krieg. Natürliches Bedürfnis Rußlands nach erhöhter Sicherheit Leningrads und Eingangs zu Finnischem Meerbusen Auswärtige Politik Finnischer Regierung hat in letzten Jahren Neutralitätsgedanken betont, sich an skandinavische Staaten angelehnt und deutsch-russischen Gegensatz als Axiom behandelt. Demzufolge hat Finnland Anlehnung an Deutschland vermieden und sogar Abschluß eines Nichtangriffspaktes mit Deutschland als kompromittierend zurückgewiesen, obwohl Finnland Nichtangriffspakt mit Rußland hatte. Auch im Völkerbund ist Finnland, trotz seiner Dankesschuld gegenüber Deutschland für dessen Hilfe 1918 niemals für deutsche Interessen eingetreten. Außenminister Holsti hierfür typisch und besonders deutschfeindlich. Weite finnische Kreise betonten wirtschaftliche und weltanschauliche Orientierung nach demokratischem England, demgemäß auch Haltung der meisten Presseorgane ausgesprochen unfreundlich uns gegenüber. Platonische Sympathie Englands hat Finnland in bisheriger Haltung bestärkt und nützt dem Lande nun gar nichts.

Weizsäcker


Quelle: Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion 1939-1941. Dokumente des Auswärtigen Amtes. 115. H. Laupp'sche Buchhandlung, Tübingen, 1949.

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