Aufzeichnung des Reichsaußenministers

Inhalt: Unterredung mit dem Russischen Botschafter.

Der Russische Botschafter hatte sich heute bei mir angesagt, um mir die Antwort der Russischen Regierung auf die Beschwerde betreffend den Artikel in der lettischen Zeitung Jaunakas Zinas [Die neuesten Nachrichten] zu geben. Er sagte, er habe Instruktion seiner Regierung, mir mitzuteilen, daß das Erscheinen des Artikels auf einem Mißverständnis beruhe. Seine Regierung habe Lettland, das nunmehr zur Sowjetunion gehöre, Instruktion gegeben, daß in Zukunft solche Artikel zu unterbleiben haben.
Ich erwiderte dem Russen, daß ich hiervon Kenntnis nähme. Solche Artikel seien für den Ausbau der guten deutsch-russischen Beziehungen, den wir wünschten, nicht vorteilhaft. In der deutschen Presse würden wir Artikel im umgekehrten Sinne gegen die russischen Verhältnisse auch nicht dulden.
Ich fragte dann den Botschafter noch, was denn Wahres an den Pressenachrichten über eine Versteifung der russisch-finnischen Beziehungen sei; ob man sich über die Ålandsfrage denn endgültig geeinigt habe oder ob sonst irgendwelche Gründe zu einer Versteifung vorlägen. Herr Schkvartzev erklärte, daß er hierüber keine Nachrichten habe.
Der Botschafter und sein Dolmetscher machten während der Unterhaltung einen etwas gedrückten Eindruck.

R[ibbentrop]

Berlin, den 14. August 1940.


Quelle: Akten zur deutschen auswärtigen Politik 1918-1945, Serie D. Band X, 340, P. Keppler Verlag KG, 1963.

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