Der Reichsaußenminister an die Botschaft in Moskau

Telegrammentwurf

RAM 37 g. Rs. Berlin, den 16. September 1940

Für Botschafter persönlich.
Bitte, am 21. September nachmittags, falls bis dahin keine andere Weisung erfolgt, Herrn Molotov aufzusuchen und ihm mündlich und möglichst bei Gelegenheit der Ausführung eines anderen Auftrages leichterhand folgendes mitzuteilen:
Die fortwährenden Einflüge englischer Flieger nach Deutschland und in die von Deutschland besetzten Gebiete machen es erforderlich, die Abwehr an einigen Punkten, insbesondere auch in Nordnorwegen, zu verstärken. Zu dieser Verstärkung gehört eine Flakabteilung, die mit ihrer Ausrüstung nach Nordnorwegen gelegt werden soll. Die Prüfung der Transportmöglichkeiten hat ergeben, daß hierfür nur der Weg über Finnland die geringsten Schwierigkeiten bietet. Diese Flakbatterie wird voraussichtlich am 22. September in der Nähe von Haparanda an Land gebracht und zunächst mit Eisenbahn, für den Rest der Strecke auf dem Landwege nach Norwegen transportiert werden.
Die Finnische Regierung hat unter Würdigung der besonderen Umstände dem deutschen Ersuchen, diesen Transport zuzulassen, Folge geleistet.
Wir legten wert darauf, der Sowjetregierung von dieser Maßnahme vorher Kenntnis zu geben. Wir setzten dabei voraus und bäten um ausdrückliche Bestätigung, daß die Sowjetregierung diese Mitteilung völlig geheim hält.
Drahtbericht über Ausführung.

Ribbentrop


Quelle: Akten zur deutschen auswärtigen Politik 1918-1945, Serie D. Band XI.1, 65, Gebr. Hermes KG, 1964.

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