2110/456748-49

Erklärungen der Deutschen und der finnischen Regierung

Geheim
VLd (D)3270/40g
Helsinki,den 1. Oktober 1940
 

Erklärungen zu dem Vertrage Nr. 1187 zwischen dem Finnischen Wehrministerium, Helsinki, und der Firma O. Y Dahlberg & Hilbert A.B., Helsinki, P. Esplanaadik. 33, vom 1. Oktober 1940.
1) Das Finnische Wehrministerium erklärt sich für die finanziellen Auswirkungen dieses Vertrages gegenüber dem Großdeutschen Reich und der Firma J. Veltjens, Waffen und Munition, Berlin-Charlottenburg 2, Berliner Straße 165, voll verantwortlich.
2) Betreffs der Zahlungsvereinbarungen in diesem Vertrage soll nicht ausgeschlossen bleiben, daß die Regierungsausschüsse des Großdeutschen Reiches und des Finnischen Staates je nach der Entwicklung des gegenseitigen Waren- und Handelsverkehrs die Zahlungstermine der Raten II und III ändern.
3) Auf die sofort fällige Zahlungsrate hat der Käufer das Recht, die Forderungen des Finnischen Staates für das vom Großdeutschen Reich in Norwegen übernommene, Finnland gehörige Material entweder als sofortige Zahlungsleistung in Anrechnung zu bringen oder materialmäßig aufzurechnen.
4) Sämtliche Nachbestellungen aus Deutschland und den von Deutschland besetzten Gebieten, die laut der Warenliste Gegenstand dieses Vertrages sind, sind durch denselben Vertragspartner derart zu tätigen, daß die Geheimhaltung dieser Transaktion sichergestellt bleibt.
5) Für den Durchtransport deutschen Nachschubmaterial und deutscher Truppen durch Finnland nach Norwegen wurde als Gegenleistung ein Teil der Waffenlieferungen, die Gegenstand des des obengenannten Vertrages sind, zugesagt. Die Höhe des Betrages resp[ektive] der Umfang der Waffen sind noch vom Großdeutschen Reich zu bestimmen.
6) Die vom Großdeutschen Reich vom Finnischen Staat für den Durchtransport in Anspruch genommenen Leistungen (Geld, Waren oder sonstige Leistungen) werden sofort nach Rechnungslegung und Prüfung auf den Materiallieferungsvertrag No. 1187 zwischen dem Finnischen Wehrministerium und der Firma O. Y. Dahlberg & Hubert A. B. vom 1. Oktober 1940 [in] Anrechnung gebracht. Die Rechnungslegung erfolgt monatlich.
7) Der Finnische Staat verbindet sich, dem Großdeutschen Reich zu wertmäßig gleichen Bedingungen, die von einem eventuellen anderen Interessenten gefordert oder angeboten werden, ein Vorkaufsrecht auf alle das Großdeutsche Reich interessierenden Konzessionen in Finnland einzuräumen, soweit der Finnische Staat beabsichtigt, diese an irgendein Ausland anzubieten, und soweit der Finnische Staat ungebunden ist. Vorstehendes Versprechen des Finnischen Staates hat eine Geltungsdauer bis zum 1. Oktober 1945.
8) Über das in dem Vertrage Nr. 1187 zwischen dem Finnischen Wehrministerium und der Firma O. Y. Dahlberg & Hubert A.B. vom 1. Oktober 1940 genannte Schiedsgericht wird folgendes festgelegt:
Das Schiedsgericht setzt sich zusammen aus dem Gesandten des Großdeutschen Reiches in Helsinki, dem Gesandten des Finnischen Staates in Berlin und einem Vorsitzenden, der von den beiden Gesandten zu ernennen ist.
9) Von dieser Erklärung wurden zwei Exemplare ausgefertigt, eines für die Regierung des Großdeutschen Reiches und eines für die Regierung des Finnischen Staates.

Als Sonderbeauftragter
des Großdeutschen Reiches:
J. Veltjens

Für die Regierung der
Republik Finnland:
R. Walden
Wehrminister
Generalmajor


Quelle: Akten zur deutschen auswärtigen Politik 1918-1945, Serie D. Band XI.1, 139, Gebr. Hermes KG, 1964.

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