Aufzeichnung des Auswärtigen Amts vom 8. Oktober 1940

Abschrift

Mit Fernschreiber. Fuschl.
      Nr. 34
An
      Büro R.A.M.

8.10. 19.30 Uhr

W 4646/40 g

Bitte folgendes durch Fernschreiben nach Fuschl durchzugeben:
Finnische Regierung sieht sich in Frage der Vergebung der Nickelkonzession Petsamo einem von Tag zu Tag wachsenden Druck der Sowjet-Regierung ausgesetzt. Finnen befürchten, daß sich hinter Molotows dauerndem Drängen böse Absichten verbergen. Wenn Finnische Regierung russischem Druck nachgibt und durch Staatsnotgesetz bisherige kanadische Nickelkonzession annulliert und sie Sowjet-Regierung gibt, entsteht für uns eine unangenehme und nachteilige Situation: Unsere eigenen, in den Verhandlungen mit der Finnischen Regierung begründeten Nickelinteressen werden restlos verloren gehen, da Rußland die deutsch-finnischen Abmachungen nicht respektieren wird. Sowjet-Rußland wird mit der Übertragung der Nickelkonzession auch den ausschließlichen territorialen Einfluß in diesem Gebiet erwerben und damit unmittelbar an die von uns militärisch gesicherten Gebiete von Kirkenes angrenzen. Von militärischer Seite, insbesondere auch von dem Herrn Reichsmarschall, wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß Petsamo uns nicht verloren geht. Der Beauftragte des Herrn Reichsmarschalls, Oberstleutnant Veltjens, hat sich u. a. als Gegenleistung für die deutschen Waffenlieferungen ein Vorkaufsrecht auch auf die Nickelkonzession geben lassen.
Das Auswärtige Amt hat den Finnen bisher gesagt, daß sich Deutschland auf die Realisierung der deutsch-finnischen Nickelverträge beschränken wird und von sich aus die Frage der Konzession mit den Russen nicht aufnehmen wird. Es wird notwendig sein, jetzt hierüber hinauszugehen und den finnischen Widerstandswillen zu stärken. Es wäre ihnen zu sagen, daß wir es für richtig hielten, wenn die Frage der Konzession von ihnen in der Schwebe gehalten und nicht durch eine Übertragung an Rußland eine endgültige Tatsache geschaffen würde. Dem finnischen Wunsch auf eine Unterstützung ihrer Haltung in Moskau braucht nich stattgegeben zu werden.
Gesandter Schnurre bittet Gelegenheit zu erhalten, diesen Sachverhalt und den jetzigen Stand der Waffenlieferungen an Finnland vorzutragen. Die Angelegenheit ist dringlich, da sonst mit einem Nachgeben der Finnen zu rechnen ist.
Quelle: Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion 1939-1941. Dokumente des Auswärtigen Amtes. 168. H. Laupp'sche Buchhandlung, Tübingen, 1949.

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