In English.

Finnland-Politik der Westmächte
durch Moskauer Vertrag vereitelt


Die Welt in Zeichen der englisch-französischen Niederlage

Berlin, 13. März.

Die Nachricht vom Friedensschluß zwischen Rußland und Finnland ist in der Welt als das katastrofale Mißlingen der englisch-französischen Kriegsausweitungspläne in Skandinavien gewertet worden. Während die Blätter des Nordens besonders die spürbare Befreiung von einem schweren Druck und die Befriedigung über den Vertrag von Moskau erkennen laßen, spricht fast die gesamte Presse der Welt von einer schweren moralischen Niederlage und einem starken Prestigeverlust der westlichen Demokratien sowie von einem diplomatischen Sieg Deutschlands. Die Hilfeversprechungen Chamberlains und Daladiers in der letzten Minute werden als eine leere Geste festgestellt. Die Westmächte haben in der Reihe ihrer Mißerfolge ein neues Spiel verloren - das ist der allgemeine Eindruck der Auslandszeitungen.

Sowjetunion:

"Grausame Niederlage für die Kriegsbrandstifter"

Moskau, 13. März.

Die "Prawda" widmet dem Friedensvertrag zwischen der Sowjetunion und Finnland einen ausführlichen Leitartikel (auf Russisch). Darin wird die Bedeutung dieses Vertrages in zweifacher Hinsicht hervorgehoben: Der Vertrag gewährleiste 1. die Sicherung der Grenzen der Sowjetunion und vor allem Leningrads; 2. räume er den Kriegsherd in Nordeuropa aus. Er stelle somit eine  g r a u s a m e  N i e d e r l a g e  f ü r  d i e  e n g l i s c h  - f r a n z ö s i s c h e n  K r i e g s b r a n d s t i f t e r  dar.

Das Blatt führt im einzelnen ua. aus, die Aufgabe, die sich die Sowjetregierung gestellt habe, seien erfüllt. Daß die Feindseligkeiten an der Front eingestellt würden, erfülle das russische Volk mit ungeheurer Genugtuung. Der Vertrag zwischen der Sowjetunion und Finnland schaffe zwischen beiden Ländern  d a u e r h a f t e  f r i e d l i c h e  B e z i e h u n g e n,  deren Grundbedingung die Garantie ihrer gegenseitigen Sicherheit sei.

Das Blatt schreibt, die Sowjetunion habe niemals beabsichtigt, Finnland seiner Unabhängigkeit zu berauben.Die Sowjetunion habe im Gegenteil schon im Jahre 1917 Finnland freiwillig das Recht auf die eigene staatliche Existenz zuerkannt.

"Lange genug", so fährt die "Prawda" fort, "haben die englisch-französischen Imperialisten Finnland - wie früher  P o l e n  und andere Staaten - zum Krieg gegen die Sowjetunion aufgehetzt, indem sie "Garantien" und ihre Unterstützung in diesem Krieg versprachen, indem sie die Illusion verbreiteten, daß die mit englisch-französischer Hilfe errichteten Befestigungen uneinnehmbar seien. Die Pläne der englisch-französischen Imperialisten, die auf Entfachung des Krieges in ganz Europa hinausliefen, sind gescheitert.

Weder die zweifelhaften Manöver der Genfer Liga, noch die Drohungen, noch Erpressungen haben geholfen. Als  I l l u s i o n  erwies sich auch, die von einigen Staaten versprochene Unterstützung. . . Vor aller Welt is klargeworden, daß die internationalen Kriegsprovokateure nur danach drängten, mit allen Mitteln den Zustand des Krieges, des Kampfes und der Feindlichkeiten im Osten Europas zu verlängern.

Es ist eingetreten, was jeder nicht völlig verblendete Mensch voraussagen konnte: Die Sowjetunion hat entgegen den hartnäckigen Bestrebungen der Kriegsbrandstifter durch ihre bewaffnete Macht die Sicherheit ihrer Grenzen hergestellt. Die Aufgabe der russischen Außenpolitik ist nunmehr erfüllt durch die Abtretung der Karelischen Landenge und des Nordufers des Ladogasees an die Sowjetunion, durch die pachtweise Übertragung der halbinsel Hangö mit dem dazugehörigen Seegebiet als Marinebasis der Sowjetunion, wodurch die Einfahrt in den Finnischen Meerbusen geschützt werden kann... Die Kriegsbrandstifter jedoch haben eine grausame Niederlage erlitten, denn sie haben  e i n e  i h r e r  b e s t e n   O p e r a t i o n s b a s e n   v e r l o r e n."


Eine Schlacht verloren

Berlin, 13. März.

Seit heute mittag um 12 Uhr schweigen im finnisch-russischen Kampfgebiet die Waffen. Spät, sehr spät, hat sich die Regierung von Helsinki dazu entschlossen, eine Partie aufzugeben, die von vornherein aussichtslos war. Man könnte es verstehen, wenn ein kleines tapferes Volk wie die Finnen auch einem übermächtigen Gegner die Stirn bietet - falls dieser Gegner zur Vernichtung seiner Freiheit geschritten wäre. Tatsächlich aber waren die Forderungen Moskaus sehr beschränkter Natur: selbst jetzt, nach Überwindung der finnischen Hauptwiderstandslinie, hat sich die Sowjetregierung mit verhältnismäßig bescheidenen Gebietserwebungen, die rein militärischen Charakter tragen, begnugt.

Trotzdem aber ist allen kleineren Neutralen in ihrem eigenen Interesse dringend zu raten, sich den Unterschied zwischen den ursprünglichen russischen Forderungen und den Bedingungen des Vertrages von Moskau recht genau anzusehen. Finnland hätte den Frieden mit der Sowjetunion erheblich billiger haben können! Jetzt aber hat es die gleiche Erfahrung gemacht, die vor ihm schon der Benesch-Staat und der Versailler Polenstaat machen mußten. Man sagt manchmal, daß die Völker aus den Fehlern anderer Völker nichts lernten. Dieses pessimistische Wort scheint sich aus an Finnland bewahrheitet zu haben. Wir sind gespannt darauf, ob andere Länder die alte bittere Lehre endlich beherzigen werden.

Eins aber steht fest Weder der Prager Schieberklüngel, noch die eitlen Burschen von Warschau, noch die Sozialdemokraten von Helsinki hätten ihre Völker so in die Irre führen können, wenn mit diesen Völkern nicht von seiten der Westmächte ein so schamloses Spiel getrieben worden wäre. Allen dreien ist die Hilfe der gewaltigen britischen und französischen Weltreiche versprochen worden, alle drei habe blindgläubig auf die bewaffnete Unterstützung der Westmächte gewartet, und alle drei sind kaltblütig und zynisch im Stiche gelassen worden. Die "Hilfe" für Polen beschränkte sich auf die verlogenen Heeresberichte des französischen Generalstabs in den ersten Kriegwochen, die "Hilfe" für Finnland auf die Lieferung von völlig ungenügendem und dazu noch minderwertigem Kriegsmaterial. Aber genau so wie die ehrlosen Regierungen von Paris und London noch  n a c h  Vernichtung der polnischen Feldarmee den wahnsinnigen Widerstand Warschaus provoziert haben - genau so haben Chamberlain und Daladier jetzt in den letzten Tagen auch Finnland zum Selbstmord aufzuwiegeln versucht. Noch gestern, als der Friedensvertrag in Moskau schon zur Unterschrift fertig war, erklärte Daladier, daß die französischen und englischen Truppen zur Einschiffung nach Finnland bereit stünden und nur auf den Ruf auf Helsinki warteten. Dieselbe infame Lüge hatte kurz zuvor Chamberlain ausgesprochen. Hier endet der Vergleich mit den Polen: Dem Beispiel der Prager Regierung Hacha folgend, hat auch die finnische Regierung sich in später Stunde ihrer Beantwortung gegenüber der Zukunft ihres Volkes erinnert und das einzig Vernünftige getan.

In ihren krampfhaften Versuchen, den Kriegsschauplatz im hohen Norden zu erhalten, sind die Banktrotteuren im Westen einige bemerkenswerte Geständnisse entschlüpft. So erklärte Daladier, daß England und Frankreich nach Finnland marschieren würden - gleichgültig, ob das den Norwegern und Schweden passe oder nicht. Auch die französische Presse schlug den gleichen Ton an. Ferdinand Laurent schrieb im "Jour", daß Artikel 16 der Genfer Satzung den Schweden und Norwegern  b e f e h l e,  die Truppen der Alliierten durchmarschieren zu lassen. Und der frühere Kriegsminister Fabry fordete im "Matin" die Intervention der Alliierten sogar für den Fall, daß ein Friede zwischen Rußland und Finnland zustandbekäme. Nichts sei schlimmer als die Ansicht, daß die Partie im Norden durch einen Friedenschluß beendet werden könne. Denn Frankreich und England hätten ebensoviel Rechte wie Deutschland auf die Eisenerze Schwedens und müßten um jeden Preis die absolute Kontrolle der skandinavischen Küstengewässer behalten. Das alle ist des Pudels kern! Nicht um die "Rettung" Finnlands ging es den Westmächten, sondern um die schwedischen Erze und die Kontrolle der skandinavischen Westküste.

Fabrys täppisches Eingeständnis ist zugleich eine ernste Warnung an Norwegen und Schweden, ihre Wachsamkeit zu verdoppeln. Die militärischen Aussichten im Westen sind für die beiden Schutzpatrone des Kapitalismus und der demokratischen Korruption so schlecht, daß sie auch in Zukunft nichts unversucht lassen werden, um das Kriegstheater zu vergrößern und weitere Völker in den Brand hineinzuziehen. Wenn man es in Paris und London mit anständigen Staatsmännern zu tun hätte, dann könnte man erwarten, daß diese aus einer nun fast zehnjährigen Kette von diplomatischen und politischen Niederlagen schleunigst ihre Konsequenzen ziehen und von der Bildfläche verschwinden würden. Regierungen aber, in denen kriminelle Elemente wie Churchill, die nichts zu verlieren habe, das große Wort führen, werden ihr verbrecherisches Spiel bis zum Ende fortsetzen. Finnland war nur das zeitlich letzte Glied in der Kette der Verratenen und Betrogenen: andere werden folgen, wenn es nach dem Willen der Machthaber im Westen geht. London und Paris haber wieder eine Schlacht verloren, die diesmal Finnlands Söhne schlagen mußten. Friede wird aber nicht sein, ehe nicht die beiden plutokratischen Zentralen im Westen unter den Schlägen von Großdeutschlands Wehrmacht zusammenbrechen.

Seibert.


Quelle: Vorderseitenachrichten und Leitartikel der Zeitung "Völkischer Beobachter, Kampfblatt der national-sozialistischen Bewegung Großdeutschlands", 14. März, 1940.

Finnland in der Großmachtpolitik | Winterkrieg