Drahtweisung des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts an den Deutschen
Botschafter in der Sowjetunion vom 6. Dezember 1939

Berlin, den 6. Dezember 1939
e. o. Pol. VI 2714 Ang. III
Diplogerma
Moskau
Nr. 1003
Dg. Pol. n. Abg.
        Telegramm i. Z. (Geh. Ch. Verf.)
Im Anschluß an Schrifterlaß Pol. VI 2651 Angabe II.
 

In Ergänzung Runddrahterlasses vom 2. Dezember erging heute folgender weiterer Runderlaß an sämtliche wichtigen Missionen:
Bitte bei Gesprächen über finnisch-russischen Konflikt folgende weitere Gesichtspunkte verwerten:
Noch vor wenigen Wochen ist Finnland im Begriff gewesen sich mit Rußland zu einigen, was bei kluger finnischer Politik sich hätte durchführen lassen. Anrufung Völkerbunds durch Finnische Regierung ist ungeeignetstes Mittel, Krise zu lösen.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß englischer Einfluß auf Finnische Regierung - zum Teil auch über skandinavische Hauptstädte sich auswirkend - Finnische Regierung zur Ablehnung russischer Vorschläge bestimmt und damit jetzigen Konflikt herbeigeführt hat. Schuld Englands an russisch-finnischem Konflikt ist besonders zu betonen.
Deutschland ist an diesen Ereignissen unbeteiligt. In Gesprächen ist Sympathie mit russischem Standpunkt Ausdruck zu geben. Jede Sympathieäußerung für finnischen Standpunkt bitte ich zu unterlassen.
Schluß der Drahtweisung.

Weizsäcker


Quelle: Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion 1939-1941. Dokumente des Auswärtigen Amtes. 117. H. Laupp'sche Buchhandlung, Tübingen, 1949.

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